Liebeskräuter

June 24, 2016

Es ist schon spannend, wie die Natur wohl auf gewisse Tage wirkt. Heute pünktlich zum Johannistag ist mein erstes Johanniskraut aufgeblüht. Es ist zwar grundsätzlich nichts außergewöhnliches, weil in den meisten Gegenden das Johanniskraut schon lange blüht, doch in meiner Heimat, wo wir doch auf etwa zwischen 600 bis 1000 m Seehöhe leben, sehr wohl. Da mein Johanniskrautöl heuer zur Neige gegangen ist, freue ich mich schon auf die zarten Blüten, ich werde mir mit Sicheheit wieder eines machen. Das Rezept für das Johanniskrautöl werde ich natürlich auch hier veröffentlichen. Doch ich möchte nicht nur über diese magische Pflanze erzählen, sondern über Bräuche zu Johannis.

 

Da gäbe es zum Beispiel einige Liebeskräuter, denn der Beginn des Sommers war auch eine gute Zeit um in Liebesangelegenheiten zu schauen, orakeln oder Klarheit zu schaffen.

 

Liebesbräuche

 

1) JOHANNISKRAUT:
Als Liebesorakel verwendete man das echte Johanniskraut in der Johannisnacht. Junge, verliebte Mädchen pressten die Blütenknospen zwischen ihren Fingern, wobei sie an ihren Verehrer dachten, und dabei darauf achteten, ob der Saft rötlich oder farblos war. Während dieser Zeit sprachen sie: „Ist mir mein Schatz gut, kommt rotes Blut, ist er mir gram, gibt es nur Scham.“ Tatsächlich ist ja von vielen Johanniskraut-Arten das mit den ausgeprägten Öldrüsen das heilkräftigste.

2) ROSE:

Am Johannistag pflückten Frauen, die nicht ganz sicher waren, ob ihr Mann sie auch wirklich liebte, zwei Blütenblätter einer Rose mit den Lippen ab. Es musste sich hierbei aber um eine Blüte handeln, die sich erst in der Nacht zuvor geöffnet hatte. Die Rosenblätter mussten mit den Lippen, ohne sie mit der Hand zu berühren, zum nächsten Bach getragen werden. Trennten sich die Blätter, ging man dem Orakel nach auseinander, schwammen sie zusammen, blieb man ein Paar.

 

3) BIRKE:
Die Birke gilt seit jeher als ein Symbol der jungen Mädchen. Für ein beliebtes Hochzeits-Orakel holte man vor dem Johannistag drei Birkenzweige (die man für den Fronleichnamsumzug ohnehin brauchte). Der erste Birkenzweig durfte seine Rinde behalten, der zweite wurde zur Hälfte geschält und der dritte ganz geschält. Alle drei Zweige legte ein heiratswilliges Mädchen unter sein Kopfkissen. Am Tag darauf griff sie mit geschlossenen Augen unter ihr Kissen und fasste den erstbesten Zweig, ohne ihn vorher zu befühlen. Je nachdem, welchen Zweig sie ausgewählt hatte, würde sie einen reichen, einen mäßig bemittelten oder einen armen Mann heiraten.
Für die Herren galt der Volksglaube, dass man, um die verlorene Manneskraft wiederzuerlangen, einfach auf einen Kranz aus Birkenzweigen urinieren müsse.

 

4) MARGERITE UND WEINRAUTE:
Ein anderes Johannisorakel war, dass heiratswillige Damen einen Kranz aus Margeriten banden und diesen hinter sich auf einen Baum warfen. Blieb der Kranz im Baum hängen, so folgte im selben Jahr noch die Hochzeit. Wurde er unter ein Kopfkissen gelegt, so sollte der Zukünftige im Traum erscheinen. Die Bauern hingen diese Kränze zum Schutze gegen Unheil an Haus- und Stalltür. Die zu Johannis gebundenen Kränze hatten nach altem Volksglauben besondere Heilkraft. Wurde jemand in der Familie krank, so gab man zum Heiltee auch immer ein Blättchen aus dem Johanniskranz dazu.
Die Tradition der Hochzeitsprophezeiung war nicht nur mit Margariten sondern auch eng mit der Weinraute verknüpft. Auch aus ihr wurde ein Kranz gebunden, der über die Schultern auf einen Baum geworfen werden musste. Wenn das Mädchen oder die Frau den Baum verfehlte, durfte sie nochmals werfen. Die verfehlten Versuche galten aber als Anzahl der Jahre, die diese Dame auf ihren Liebsten warten musste. Und wer will schon Jahre lang zu Hause ausharren bis Mr. Right kommt?

 

Glücks und Schutzbräuche

 

1) THYMIAN:
Der zu Johannis gesammelte Thymian wurde früher den gebärenden Frauen ins Bett gelegt. Im Innviertel gibt es Sagen, wonach das Kraut am Fenster den Teufel dazu bringt, das Mädchen nicht heimzusuchen (oder wurde damit der junge Mann vertrieben, der fensterln wollte?). Thymian (Quendel), der an Johannis gepflückt wird, kommt traditionell in die Weihnachtsräucherung.

 

2) EISENKRAUT:

In diesem Heilkraut sahen unsere Ahnen große Liebeskraft und trugen es aus diesem Grund gerne als Amulett. Für einen Schutzzauber gruben sie die Eisenkrautwurzel zu Johannis und zu Maria Himmelfahrt (15. August) nach speziellen Vorgaben aus: Mit einem goldenen und einem silbernen Werkzeug holten sie die Wurzel aus der Erde. Dann musste die Pflanze liegen bleiben, bis der Morgentau darauf fiel. In dieser Zeit durfte das Eisenkraut jedoch nicht allein bleiben, also legte man sich dazu, ins grüne Gras.
 

3) KAMILLE:
Kamillenblüten mussten vor Johanni gepflückt werden, weil man früher glaubte, dass an diesem Tag der „Bose Krebs“ über die Felder fliegt. Ebenso steckten die Bauern in die erste Garbe Heu Kamille und Johanniskraut, um das Ungeziefer fern zu halten.

 

4) BEIFUSS:
Beifuß im Haus war ein Schutz vor dem Teufel und zu Johannis steckten ihn die Bauern über das Stalltor, um das Vieh behütet zu wissen.
Beifuß ist ein Johanniskraut für Kränze und Räucherungen und als „Frauenpflanze“ und „Pflanze der Göttin“ natürlich auch eine der Braut. Man flocht früher zur Sonnwende einen Gürtel aus Beifuß, den man zuerst trug und dann ins Sonnwendfeuer warf. In der Glut so glaubte man, wurden alle bösen Einflüsse verbrannt und Gesundheit für ein Jahr würde folgen.

 

5) FENCHEL:
Fenchel war schon in der Antike eine hoch gerühmte Heilpflanze und galt seit jeher als Bestandteil eines Heiltrankes gegen den Teufel. Am Johannestag bestrichen die Bauern die Hörner und Euter der Kühe zum Schutz mit Fenchel.

 

6) KORNBLUME:
Früher band man aus Kornblumen Johannikränze, blickte dann durch sie auf das Sonnwendfeuer und sprach: “Johannisfeuer, stärk mir meine Augenlider, dass ich dich aufs Jahr seh‘ wieder.“

7) KÜMMEL:

Für unsere Ahnen galt jener Kümmel als besonders heilkräftig, welcher an Johannis und am Vitustag gesammelt wurde.

 

Der Johannistag wurde als Hochfest für Johannes den Täufer ins Leben gerufen und ist für den 24. Juni angesetzt. Zahlreiche Feste wie das Johannisfeuer oder die Sommersonnenwende ranken sich um diesen Tag. Dem Volksglauben nach sollte das Johannisfeuer Dämonen abwehren, die Krankheiten hervorrufen oder Viehschaden und kranke Kinder bewirken. Darauf deuten auch die Strohpuppen hin, die man in manchen Gegenden ins Feuer wirft dem Hanslverbrennen. Insbesondere sollten auch Hagelschäden abgewehrt werden, daher wird das Johannisfeuer auch als Hagelfeuer bezeichnet.

 

Vieles gäbe es noch über den Johannistag zu erzählen, zahleiche Mythen und Legenden ließen sich im Internet dazu finden. Aber ich glaube, wer näher in dieses Thema eintauchen möchte, der sucht sich schon das passende für sich.

 

Ich wünsche euch einen schönen Johannistag.

 

Mein Buchtipp für euch:

 

 

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