Frauendreißiger

August 16, 2017

Bei allen Naturvölkern weltweit, wird Brauchtum sehr groß geschrieben. Rituale, Zeremonien zu Jahreskreisen oder anderen kraftvollen Tagen werden seit tausenden von Jahren zelebriert. Mittlerweile greift man auch in unserer Kultur wieder vermehrt auf das alte Wissen zurück.

Am 15. August zum christlichen Feiertag Mariä Himmelfahrt finden traditionell Kräuterweihen statt und zwischen diesem Tag und dem 8. September gibt es den Frauendreißiger.

 

Mit dem 15. August erreicht der Sommer seinen Höhepunkt, die Wiesen stehen in voll und bunter Pracht und bieten Insekten eine reicher Fülle. Den Heilkräutern wird in der Zeit des Frauendreißigers zwischen dem großen und dem kleinen Frautag, dem 8. September, oder auch in den dreißig Tagen bis zum Fest „Kreuzerhöhung“ eine besondere Wirkung nachgesagt. Im Frauendreißiger liegt auf den Wurzeln und Kräutern besonderer Segen. Mit Ausnahme der Johanniskräuter, die zur Sommersonnenwende gepflückt werden, soll man Heilkräuter während dieser dreißig Tage sammeln.

 

Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Frauendreißiger auf eine germanische Festzeit mit Toten- und Fruchtbarkeitsopfern zurück geht. Die katholische Kirche wollte den damit verbundenen Dämonenglauben überbrücken und setzte die Gottesmutter, die „Hohe Frau“, als Heilsbringerin entgegen. Es dauerte nicht lange, bis die Kirche die heilkräftigen Kräuter dieser Zeit, die im Volksglauben fest verwurzelt waren, mit der Himmelsmutter verband und Weihen arrangierte. Es fingen damals auch die Klöster an, sich intensiv mit der Apotheke "Mutter Erde" auseinanderzusetzen. Der 15. August erhielt von der Landbevölkerung auch die Bezeichnung „Kräuterweihtag“.

Altes Kräuterheilwissen wird aufgefrischt und der Brauch der Kräuterweihe wird endlich wieder gepflegt. Das Binden der Kräuterbuschen ist stark mit Aberglauben verbunden: Sieben oder neun verschiedene Kräuter müssen es sein, es gibt jedoch noch andere Überlieferungen wo man von 12er, 15er und 19er Buschen  spricht. Ich denke, es ist nicht wichtig, wie viele es tatsächlich waren, Hauptsache man ehrt die Pflanzen. Sie sollen Glück und Segen bringen, aber auch bei Krankheit hilfreich sein. Besonders heilkräftig sollen die geweihten Kräuter auch sein, wenn sie mit Weihrauch vermischt zum Räuchern verwendet werden.

 

Früher verehrte man hauptsächlich weibliche Agrargottheiten anstelle von der heutigen Maria. Schon in vorchristlicher Zeit durchstreiften Frauen und Kinder in der Mitte des Sommers die Wiesen und sammelten körbeweise Kräuter. Besonders  Hebammen und weise Kräuterweiber sammelten viel, um später genug für die Krankenversorgung zu haben.

 

In dieser Zeit wurde die Königskerze sehr verehrt, sie ist sozusagen die Königin aller Pflanzen rund um den Frauendreißiger. Eine Legende besagt auch, wenn man in der Nacht ganz leise ist, dann kann man rund um die Königskerze Elfen sehen, die einen Ringeltanz rund um diese schöne Pflanze abhalten. Eigentlich ein netter Gedanke. Die Zeit des Frauendreißigers ist auch eine Periode ausgeprägter Marienverehrung: Große Marienwallfahrten fallen in diese Zeit zwischen Mariä Himmelfahrt im August und Mariä Geburt sowie Mariä Namen im September.

Ich wünsche euch allen eine kraftvolle Zeit, eure  Tanka

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